Schloss & Park Pillnitz „Ihre Hoheit malt! – Prinzessin Mathilde als Künstlerin“

02.07.2021

# 14 | 2021

Neue Sonderausstellung im Pillnitzer Schlossmuseum vom 3. Juli bis 31. Oktober 2021 zum künstlerischen Schaffen Ihrer Königlichen Hoheit Prinzessin Mathilde, Herzogin zu Sachsen.

Schloss & Park Pillnitz an der Wende zum 20. Jahrhundert: Noch residiert hier das sächsische Königshaus unter Friedrich August III. vor allem in den Sommermonaten. Kammerdiener, Wachleute, Hofbeamte, Trompeter – ein ganzer Hofstaat sorgt sich um die Belange des Königshofes. Keine geringere als Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Mathilde, Herzogin zu Sachsen und Schwester des letzten sächsischen Königs hält dieses Leben fest. Jedoch zeigen ihre Gemälde keine Festlichkeiten oder sittsam-strenge Portraits ihrer Familienangehörigen. Vielmehr das alltägliche Geschehen hinter der Etikette zieht ihre Aufmerksamkeit an.

Für Prinzessin Mathilde ist Pillnitz mehr als ein Ort für illustre Sommeraufenthalte. Bereits die Kindertage verbringt sie oft in der königlichen Villa in Hosterwitz unweit des Schlosses, ab 1905 bis zu ihrem Tod 1933 lebt sie vermutlich fast ausnahmslos hier. Nur in den Wintermonaten zieht sie mitunter die Wohnung im Taschenbergpalais vor.

Das „dörfliche“ Leben scheint ihr zu gefallen. Sie imkert selbst, fotografiert gern, skizziert und malt. Bei den Hosterwitzer und Pillnitzer Dorfbewohnern und bei den Bediensteten genießt sie mit ihrem bodenständigen und klugen Auftreten einen guten Ruf. Hier muss sie nicht dem typischen Prinzessinnenbild mit Vorlieben für Mode, Eleganz und Etikette entsprechen.

Hintergründe & Biografisches

Mathilde Marie Auguste Viktorie Leopoldine Karoline Luise Franziska Josepha von Sachsen wird als drittes Kind des Kronprinzen Georg und seiner Gemahlin Maria Anna von Braganza und Sachsen-Coburg und Gotha, Infantin von Portugal in der sächsischen Landeshauptstadt am 19. März 1863 geboren und verstirbt kurz nach ihrem sechzigsten Geburtstag unverheiratet und kinderlos am 27. März 1933 in Hosterwitz bei Dresden.

Im Schatten ihres Bruders, dem letzten sächsischen König Friedrich August III. von Sachsen, und durch ihr zurückhaltendes, unglamouröses und mitunter verbittert-hochmütig wirkendes Auftreten erlebt sie zu Lebzeiten kaum Gunst in der breiten Bevölkerung. Die Ablehnung zeigt sich bis heute in wenig schmeichel­haften Erzählungen über sie: zu hässlich sei sie gewesen, um interessant für Verehrer zu sein und dem Trinken zu stark zugeneigt.

Die Ausstellung vermag es, ein anderes Bild von Mathilde zu zeichnen: Besonders, ungewöhnlich, eigenwillig und interessant war sie … und begabt! Begabt vor allem in der Malerei, und das in einer Zeit, in der nicht nur die Kunst auf dem Kopf stand. Eine zu Unrecht vergessene Prinzessin, die neben ihrer ausgesprochenen künstlerischen Begabung zehn Sprachen fließend beherrschte, Musikwissenschaften und Theologie studierte, freidenkend und engagiert wohltätige Stiftungen unterstützte. Mit Letzterem verweilt sie wohl am stärksten in Erinnerung: In so manch sächsischem Haushalt findet sich bis heute eine Ausgabe der „Bunte Blätter vom Sächsischen Hof“. Von 1903 bis 1921 in vier Teilen im Verlag Römmler & Jonas erschienen, kam der Erlös der insgesamt 24 Farbdrucke nach Gemälden Mathildes dem Maria-Anna-Kinder-Hospital im Dresdner Stadtteil Trachenberge zu Gute. Das Hospital existiert längst nicht mehr, die Gemälde dagegen beeindrucken bis in die Gegenwart.

Zwischen Realismus, Impressionismus und Expressionismus

Die Beschäftigung mit Malerei ist am sächsischen Hof keine Seltenheit. Auch Mathildes Tante, Königin Carola von Sachsen, und ihre Schwester, Erzherzogin Maria Josepha von Österreich, malen und zeichnen. Dass man passabel künstlerisch ausgebildet wird, gehört zum Standard höfischer Erziehung. Doch, dass jemand über das Passable hinauswächst, bleibt selten. Mathilde ist es gelungen.

Sie nimmt von 1890 bis 1901 bei Alfred Richard Diethe, einem Dresdner Maler und Illustrator, Zeichenunterricht und lässt sich zunehmend von den Strömungen der Zeit inspirieren. Unterschiedlichsten Genres widmet sich Mathilde: Landschaften, Szenen vom Hofleben, aber auch religiösen Bildthemen. Sie bedient sich dabei oft der neu aufgekommenen Fotografie. Auf ihren Spaziergängen und auf Reisen hält sie die Motive fest, um sie dann im Atelier auf die Leinwand übertragen zu können.

Wirklichkeitsnah zeigt sie den Alltag am Hofe: Ihre Daumontreiter in voller Montur, Köche bei der Arbeit in der Königlichen Hofküche von Pillnitz, das Beladen der Kutschen vor einer Reise oder der Wachposten am Wasserpalais nehmen uns heute noch lebhaft mit in die Vergangenheit. Besonders das Gemälde „Im Königlichen Schloss zu Dresden, Pratersaal“ steht im Bann des Realismus: Die wenigen Kerzen verbreiten schummriges Licht und lassen den Raum bis auf die Hauptszene im Dunkeln. Auf heroische oder majestätische Attitüden verzichtet sie. Ihr Thema ist die schlichte, aber perfekt verrichtete Arbeit der Dienerschaft vor dem großen Auftritt.

Impressionistisch dagegen das fast theatralische Spiel aus Licht, Himmel und Wasser in dem Ölgemälde „Pillnitz, Terrasse und Treppe nach der Elbe“ von 1908. Das Schloss lässt Mathilde links liegen und fängt stattdessen das gleißende Licht ein, angesichts dessen man meint, blinzeln zu müssen. Auf ihren Gartengemälden, wie dem „Rosengarten (Villa in Hosterwitz)“, scheinen die Farben wie direkt aus der Tube auf die Leinwand aufgebracht. Breit, schwungvoll, intuitiv ist Mathildes Malvortrag.

Neben den über 70 bisher bekannten Ölgemälden, die uns die Prinzessin hinterlassen hat, zeugen Skizzenbücher und grafische Arbeiten von ihrem künstlerischen Werdegang. Ausgewählte von ihnen sind als Original oder Reproduktion in der Sonderausstellung zu sehen. Zusammen mit Fotografien, Tagebucheinträgen und Erinnerungen an Mathilde, über die bisher nur wenig Biografisches überliefert war, schließt diese Werkschau den Ausstellungsreigen der vergangenen Jahre in Schloss Pillnitz, der sich auf die Spuren der letzten 100 Jahre sächsischer Regenten begab: Beginnend mit der Heimkehr 1815 von Friedrich August I., über die Tragödie von Luise von Toskana, dann der Abdankung des letzten sächsischen König Friedrich August III., hin zu Prinz Max und nun endend mit Prinzessin Mathilde.

Kinderpfad „Mathilde und ihr Diener Paul“ im Schlosspark

Besonders den Aufzeichnungen und Erzählungen ihres langjährigen Dieners Paul Delank ist es zu verdanken, dass auch die private Mathilde nun einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden kann. Delanks Nachfahren stellen für die Ausstellung persönliche Unterlagen des Dieners und Gemälde von Mathilde zur Verfügung. Ein besonderer Glücksfall für die Ausstellung ist seine Ururenkelin: Elisabeth Wolf gestaltete für Schloss & Park Pillnitz Illustrationen aus dem Alltag der Prinzessin und ihres Dieners. Zu sehen sind sie auf sieben großformatigen Tafeln im Park und zwei Tafeln im Schloss, auf deren Vorderseite je ein Gemälde Mathildes mit Pillnitzer Motiven zu sehen ist, auf der Rückseite die dazugehörige illustrierte Geschichte zum Bild kombiniert mit Mit-Mach-Anregungen speziell für Kinder und Familien.

Der Ausstellungszeitraum

Die Sonderausstellung „Ihre Hoheit malt! Prinzessin Mathilde als Künstlerin“ findet 2021 und 2022 in den Räumen des Schlossmuseums im Neuen Palais sowie im Schlosspark Pillnitz statt. Das Museum hat in dieser Saison bis zum 31. Oktober 2021 dienstags bis sonntags von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Der Schlosspark hat täglich geöffnet. Das Tagesticket (inklusive Parkeintritt) kostet 8,00 €, ermäßigt 6,00 €. Kinder bis 16 Jahre erhalten freien Eintritt. Mehr Informationen auf www.schlosspillnitz.de.

Die Ausstellungsmacher

Kuratiert wurde die Sonderausstellung von Dr. Dirk Welich, Dr. Birgit Finger und Dr. Sabine Wilde von der Staatlichen Schlössern, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH, und dem freischaffenden Historiker Mike Huth. Die Illustrationen aus dem Alltag der Prinzessin entwarf die Künstlerin Elisabeth Wolf, die Ausstellungs­gestaltung unterlag der Grafikerin Antje Werner.

BEGLEITPROGRAMM ZUR AUSSTELLUNG

Ferienprogramm „Prinzessin Mathilde und ich! - Alte Bilder zum Leben erwecken“

Zusammen mit der Illustratorin Elisabeth Wolf können Kinder künstlerisch aktiv werden und eigene Familienstories gestalten. Aus alten Fotos und Papieren entstehen spannende Collagen.

26. August 14:00 Uhr | 31. August 10:00 Uhr | 28. Oktober 14:00 Uhr | individuell auf Anfrage
Kinder (6-16 Jahre) 5,00 € | Erwachsene 8,00 € (inklusive Eintritt Schlosspark)

Kuratorenführung „Ihre Hoheit malt!“

Dr. Dirk Welich – Schlossleiter von Schloss & Park Pillnitz und Kurator führt durch die Ausstellung.

23. Juli 16:30 Uhr | 25. September 11:00 Uhr | 15. Oktober 16:30 Uhr
Erwachsene 15,00 €, ermäßigt 13,00 €, Kinder 7,00 € (inklusive Eintritt Park & Museum)

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