Neue Sonderausstellung auf der Albrechtsburg Meissen:

08.09.2006

 Die „Mannes-Thaten“ von Albrecht dem Beherzten  - Leihgaben aus dem nationalmuseum Warschau

Am vorletzten Wochenende ging die Sonderausstellung zum Kaendler-Jubiläum in der Albrechtsburg Meissen zu Ende. Etwa 30.000 Besucher haben diese außergewöhnliche Sammlung besucht, die sich mit dem Vermächtnis des großen Meistermodelleurs an seiner einstigen Wirkungsstätte beschäftigte.

Mit dem Wirken eines ebenfalls bedeutenden Künstlers auf der Albrechtsburg befasst sich nun eine neue Ausstellung, die am 15. September öffnet. Sie widmet sich einer weiteren wichtigen historischen Etappe, die unmittelbar an die Manu-fakturgeschichte des Schlosses anknüpft.

Über 150 Jahre hatte man das erste europäische Hartporzellan in den Räumen der  Albrechtsburg produziert; 1863 verlegte man die Manufaktur schließlich ins nahe gelegene Triebischtal. Nachdem die Einbauten der Manufakturzeit beseitigt und das gesamte Schloss aufwendig saniert wurde, folgten Diskussionen über die weitere Nutzung des Schlosses. Letztendlich entschied man sich dafür, hier eine Gedenkstätte der Geschichte Sachsens und des regierenden Fürstenhauses Wettin zu schaffen. Die wichtigsten Ereignisse und Persönlichkeiten der sächsischen Geschichte wurden in Form monumentaler Wandgemälde in den Schlossräumen abgebildet und machen damit den heute größten Bestand ihrer Art in Sachsen aus. Ermöglicht wurde dies durch die Reparationszahlungen aus dem deutsch-französischen Krieg.

Insgesamt elf Künstler wurden 1875 mit der Ausmalung beauftragt, unter ihnen Julius Scholtz, der mit den beiden sog. Kurfürstenzimmern den umfangreichsten Einzelauftrag erhielt. In neun Wandgemälden schilderte er „die Mannes-Thaten und Schicksale Albrecht des Beherzten“ – dessen Namen das Schloss heute trägt. Themen wie die Pilgerfahrt ins Gelobte Land, eine heitere Begebenheit auf einem Gastmahl zu Mecheln und vor allem die Kämpfe des sächsischen Fürsten in Ungarn, Belgien, Burgund und Friesland gelangten zur Darstellung und wider-spiegelten Kampfesmut, Großzügigkeit und Milde des Wettiners.

Bevor Julius Scholtz – der eine Ausbildung an der Dresdner Kunstakademie genoss – allerdings mit der Ausmalung der Räume begann, begab er sich auf eine Reise zu den authentischen Orten des Geschehens. Auf Reisen und in der Folgezeit ent-standen zahlreiche Studien, die den Weg des Künstlers zu seinen endgültigen Bild-lösungen beschreiben. Dazu gehören Blätter mit Darstellungen von historischen Kostümen, Körperbewegungen, Architekturzeichnungen sowie Entwürfe zur Gesamtkomposition – in Bleistift, Kohle, Kreide oder Aquarellfarbe ausgeführt.

Ein großer Teil des künstlerischen Lebenswerkes von Scholtz, darunter auch Tagebuchaufzeichnungen und schriftliche Zeugnisse gingen im Bombardement vom 13. zum 14. Februar 1945 in Dresden für immer verloren. Einige seiner Vorstudien zu den Wandbildern konnten jedoch erhalten  werden und sind nun in der Ausstellung zu sehen. Insgesamt konnten fast 40 dieser zeichnerischen Studien aus dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sowie dem Nationalmuseum in Warschau zusammengetragen werden.

Damit verbindet sich für den Besucher die Gelegenheit, diese Arbeiten am Wirkungsort des Malers zu sehen und sich im Anschluss an die Sonderausstellung die originalen Wandgemälde im Schloss anzusehen. In der Ausstellung selbst wird der Kontext zwischen Vorstudien und Wandgemälden anhand von großformatigen Fotos hergestellt.

Ergänzend zu den grafischen Blättern werden einige Exponate aus der Entstehungszeit der Wandgemälde wie z.B. die Auftragserteilung an Julius Scholtz durch das Finanzministerium präsentiert. Gleichzeitig beleuchten Zeitzeugnisse des 15./16. Jahrhunderts Leben und Wirken von Albrecht dem Beherzten. Hierzu zählen Urkunden aus dem Hauptstaatsarchiv, Münzen und Waffen, die die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zur Verfügung stellten sowie Objekte, die im Zusammenhang mit der Tradition der Pilgerfahrten stehen.

Zur Sonderausstellung erscheint ein Begleitheft.

Die Ausstellung ist bis zum 31. Oktober zu sehen und täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

 

Eintritt: Erwachsene 2,50 Euro; Ermäßigte 1,50 Euro; Kinder bis 6 Jahre frei

Information:

Albrechtsburg Meissen – Domplatz 1 - 11662 Meißen

Tel.: 03521 / 47070; Fax: - 474711;

E-Mail: info@albrechtsburg-meissen.dewww.albrechtsburg-meissen.de

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