Sonderausstellung "Die sächsische Bastille - Das Staatsgefängnis Festung Königstein 1591 - 1922"

20.06.2003

Bis 8.01.2004 in den Ausstellungsräumen im Torhaus der Festung Königstein

Die Festung Königstein war lange Zeit ein berüchtigtes Gefängnis, dem der Volksmund im 19. Jahrhundert den Namen "Sächsische Bastille" gegeben hat. Im Arrestantenverzeichnis der Festung finden sich zwischen 1591 und 1922 die Namen von annähernd 1000 Staatsgefangenen, darunter Diebe, Spione, Duellanten, Majestätsbeleidiger und Revolutionäre.

Der Besucher schreitet in der Ausstellung an einem mächtigen Eisengitter entlang, was zu einer aufregenden Reise in die Vergangenheit wird. Zunächst erfährt er etwas über die lange, leidvolle Haft des sächsischen Kanzlers Dr. Nikolaus Krell (1552-1601) und sein furchtbares Ende auf dem Schafott in Dresden. Das Richtschwert, mit dem er enthauptet wurde, kann als Leihgabe der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Original betrachtet werden. Es folgen die ebenso interessanten wie spannenden Lebensgeschichten des Alchimisten Klettenberg, des Leipziger Bürgermeisters Romanus und des Kanzlisten Mentzel.

Während auf dem Königstein Gefangene schmachteten, nutzten die sächsischen Kurfürsten diesen Ort vor allem im 18. Jahrhundert auch zur Ausrichtung höfischer Feste. Daran erinnert ein Spiegelkabinett mit lebensechten Figuren in barocken Kostümen. Die Wirkung der verspiegelten Wandflächen ist verblüffend. Sie erzeugen die Illusion eines riesigen, mit Kronleuchtern geschmückten Festsaals.

Der international bekannte Künstlerarchitekt Hans Dieter Schaal hatte die Idee zu dieser Installation und konnte für die Gestaltung der Sonderausstellung gewonnen werden. Seine Ausstellungsarchitekturen in Berlin (Filmmuseum im Sony-Gebäude und Parlamentarismus-Ausstellung im Deutschen Dom) sowie seine Bühnenbilder, die er für Opernhäuser in der ganzen Welt (zuletzt in San Francisco "St. François d'Assise"), u.a. auch für das Chemnitzer Theater ("Pénélope" und "Der Freischütz") schuf, fanden überall großen Anklang. Zur Zeit arbeitet er an der Neugestaltung des Kunstgewerbemuseums in Berlin-Köpenick.

Der Weg an den Gefängnisgittern entlang führt die Besucher noch zu vielen interessanten Gestalten der Geschichte, die auf der "sächsischen Bastille" inhaftiert waren. Dazu gehören namhafte Personen, die 1849 an den Maikämpfen in Dresden teilnahmen, aber auch Künstler wie Thomas Theodor Heine und Frank Wedekind. Beide saßen im Jahre 1899/1900 je sechs Monate auf dem Königstein, weil sie Kaiser Wilhelm II. in einer Karikatur und einem Spottgedicht lächerlich gemacht hatten.

Ausführlich dargestellt wird auch der "Aufenthalt" des russischen Anarchisten und Revolutionärs Michail Aleksandrowitsch Bakunin.

Zahlreiche Gefangene kommen in der Ausstellung auch selbst zu Wort. Moderne Technik macht's möglich: Schauspieler haben ihnen ihre Stimme geliehen und zitieren aus ihren Memoiren - per Kopfhörer.

Die Ausstellung ist geöffnet:
April - September von 10 - 18 Uhr
Oktober - Januar von 9 - 17 Uhr

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