Schloss & Park Pillnitz: „Macht euern Dreck alleene! – Der letzte sächsische König, seine Schlösser und die Revolution 1918“

30.04.2018

Neue Sonderausstellung im Schlossmuseum Pillnitz vom 28. April - 4. November 2018 | originaler Schreibtisch des letzten sächsischen Königs zu sehen | weitere teils noch nie öffentlich ausgestellte Exponate

Nachdem 2017 die skandalumwitterte Flucht der Luise von Toscana vom sächsischen Hof im Schloss Pillnitz nachzuerleben war, folgt die diesjährige Exposition des Schlossmuseums den Spuren des verlassenen Ehemannes. Aus dem Kronprinzen von damals wurde 1904 König Friedrich August III. Die Novemberrevolution zwang ihn, am 13. November 1918 auf den Thron zu verzichten.

Während die offizielle Verzichtserklärung sachlich und wenig spektakulär gehalten war – es handelt sich um die schlichten handgeschriebenen Worte auf einem einfachen Zettel: „Ich verzichte auf den Thron. den 13. November 1918 Friedrich August“ – blieb ein anderer Satz bis heute im Gedächtnis der Sachsen: „Macht euern Dreck alleene!“.

Hat er, oder hat er nicht? So ganz sicher ist die Urheberschaft des legendären Ausspruches nicht, auch wenn er schon wenige Tage nach der Abdankung in aller Munde war und besonders von sozialdemokratischen Zeitungen verbreitet wurde. Er passte einfach zu gut zu Friedrich August, der mit seinen volkstümlichen, in Sächsisch vorgetragenen Reden beim Volk bekannt und sehr beliebt war.

Nach 1918 Beginn der Entwicklung zu staatlicher Schlösserverwaltung.

Der Geschäftsführer der Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH (SBG) zur Eröffnung der neuen Sonderausstellung: „Hier in Pillnitz entdecken wir in unseren jährlichen Sonderausstellungen schon seit einigen Jahren spannende, dramatische und auch schillernde Persönlichkeiten der sächsischen Geschichte. In diesem Jahr widmen wir uns dem letzten sächsischen König, der seinerzeit sehr beliebt und ein echtes Original war. Wir möchten in der Sonderausstellung „Macht euern Dreck alleene!“ gern vermitteln, was es neben dem legendären Ausspruch, den heute in Sachsen jeder kennen dürfte, über König Friedrich August III. und die dramatische Zeit, in der er lebte, noch zu sagen gibt. Schließlich begann nach dem Umbruch 1918 auch die Entwicklung - mit vielen weiteren Brüchen - der wettinischen Besitzungen hin zu einer staatlichen Schlösserverwaltung.“

Fokus auf den letzten sächsischen König und die wettinischen Schlösser und Besitzungen

Die Pillnitzer Sonderausstellung „Macht euern Dreck alleene! – Der letzte sächsische König, seine Schlösser und die Revolution 1918.“ wird die einzige Ausstellung in Sachsen sein, die sich mit der Novemberrevolution vor 100 Jahren auseinandersetzt. Angesichts der für die Sonderausstellung zur Verfügung stehenden beschränkten räumlichen Dimensionen war jedoch von Beginn an klar, dass die kleine Pillnitzer Ausstellung nicht zum zentralen Erinnerungsort für die Novemberrevolution und die Gründung des Freistaates Sachsen werden kann.

Gerade mit Blick auf den Ausstellungsort stehen stattdessen zwei Aspekte besonders im Blickpunkt: König Friedrich August III. in den letzten Tagen seiner Herrschaft und das weitere Schicksal der ehemals wettinischen Schlösser und Besitzungen.

Es wird mit teils noch nie ausgestellten Objekten, Fotos, Dokumenten und Filmen gezeigt, wie sich die politische Ordnung radikal veränderte und die Monarchie in Sachsen zusammenbrach. Der originale Schreibtisch, auf dem der letzte sächsische König seine Worte zum Rücktritt schrieb, ist erstmals im Schloss Pillnitz zu sehen. Anhand des Tagebuchs der Generaladjutanten des Königs lassen sich die letzten Tage und Stunden des Königshauses in Dresden rekonstruieren und die Flucht über Moritzburg, Linz, Guteborn hin nach Sibyllenort nachvollziehen.

In Schloss Sibyllenort bei Breslau fand er seinen Alterssitz. Mit verkleinertem Hofstaat und regelmäßigen Jagdausflügen lebte der Privatmann Friedrich August sein Leben ähnlich wie gewohnt, mit dem Ergebnis, dass das Schloss bald hochverschuldet war. Er empfing Gäste aus Sachsen, reiste aber selten in seine Heimat. Öffentliche Auftritte mied er.

Als er am 18. Februar 1932 im Alter von 66 Jahren verstirbt, ehren ihn seine Sachsen mit einer imposanten Trauerfeier: eine halbe Million Menschen geben ihm am 22. und 23. Februar die letzte Ehre, bevor er in der Gruft der Katholischen Hofkirche in Dresden beigesetzt wird. Wohl nie zuvor hat es in Sachsen eine Beerdigung mit größerer öffentlicher Anteilnahme gegeben.

Die Historie hinter der Ausstellung

Die Novemberrevolution griff am 6. November 1918 auch auf Sachsen über. Zwei Tage später übernahmen in den großen sächsischen Städten Leipzig, Chemnitz und Dresden aufständische Arbeiter und Soldaten die Macht. Bei einer Krisensitzung im Dresdner Residenzschloss am Nachmittag des 8. November mussten die Generäle eingestehen, dass sie die Befehlsgewalt über die Armee verloren hatten. Den Vorschlag, die Revolution mit noch königstreuen Truppenteilen niederzuschlagen, lehnte der König mit den Worten ab, er werde den gerade zu Ende gehenden Krieg nicht auf der Dresdner Schlossstraße fortsetzen.

Friedrich August III. wollte verhindern, dass die Revolutionäre ihn zur Abdankung zwingen, und entschied sich daher zur Flucht. In Guteborn unterzeichnete er am 13. November 1918 handschriftliche Verfügungen: er erklärte seinen Thronverzicht und entband die Offiziere, Beamten, Lehrer und Geistlichen von ihrem Treueeid und forderte sie auf, auch unter den geänderten Verhältnissen weiterhin ihren Dienst zu tun. Damit machte er deutlich, dass er keinen Widerstand gegen die Republik wünschte. Diese Entscheidung trug dazu bei, dass sich der Umsturz ohne Blutvergießen vollzog.

Herausragende Exponate – originaler Schreibtisch des letzten sächsischen Königs

Das wohl wichtigste Exponat ist der originale Schreibtisch, auf dem in Schloss Guteborn der letzte sächsische König seine Worte zum Rücktritt schrieb. War er bisher nur im begrenzten zeitlichen Rahmen im Schloss- und Stadtmuseum Hoyerswerda (Leihgeber des Tisches) der Öffentlichkeit zugänglich, erlebt er in Pillnitz eine besondere Würdigung: Die Verzichtsurkunde ist bis heute erhalten und wird als Replik auf den Schreibtisch zurückkehren (Leihgeber: Prinz Alexander von Sachsen).

Unter den ausgestellten Objekten finden sich u.a. Militaria, wie ein zerschossener Stahlhelm eines sächsischen Soldaten (Leihgeber: Arbeitskreis Sächsische Militärgeschichte e. V. Dresden) oder der Helm eines Musikers vom Leibgrenadierregiment des Königs mit Paradebusch.

Der Krieg kam auch in das Private: Kriegsspielzeug, die Lazarette mit Krankenschwestern und mit verletzten Soldaten darstellen, Fahrzeuge und Kanonen sind zu sehen (Leihgeber: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Museum für sächsische Volkskunst).

Agitprop­-Marionetten „Bourgeoise“ und „General des Kaiserlichen Heeres mit Monokel“ stammen von dem Puppenmacher und Politiker Richard Lipinski und sind den revolutionären Ereignissen 1918/19 zuzuordnen (Leihgeber: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Puppentheatersammlung).

Zu den besonderen und ganz seltenen Objekten gehören eine erhalten gebliebene Mütze und eine Armbinde eines Angehörigen des Arbeiter- und Soldatenrates (Leihgeber: Stadtmuseum Dresden). Nicht zuletzt sind es ausgewählte Kunstwerke, wie ein Ölgemälde einer jungen Dame, ein Deckelpokalglas der Moritzburger Kellerei und eine Vase aus Meissener Porzellan aus der Sammlung der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH und der zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gehörenden Porzellansammlung, die stellvertretend in der Ausstellung verdeutlichen, wie kostbar und luxuriös zu Zeiten Friedrich Augusts seine Schlösser ausgestattet waren.

Eine Ausstellungswand mit Pastellen und Gemälden zeigen Friedrich August als Privatmann und als König in verschiedenen Lebensaltern.

Abgerundet wird die Ausstellung durch verschiedene Filmsequenzen aus dem Leben Friedrich Augusts III., die von Ernst Hirsch (Hirsch Filmproduktion Dresden) zur Verfügung gestellt wurden.

Die Ausstellungsmacher

Die Ausstellungskuratoren sind Dr. Lars-Arne Dannenberg und Dr. Matthias Donath (beide vom Zentrum für Kultur // Geschichte) und Iris Kretschmann (Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH, Schloss & Park Pillnitz). Dr. André Thieme stand als Fachberater zur Seite (Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH). Die Ausstellungsgestaltung unterlag Antje Werner und Anja Maria Eisen.

Das Begleitbuch

Zur Ausstellung erscheint ein 224-seitiges gleichnamiges Begleitbuch mit rund 300 Abbildungen. Herausgeber sind Iris Kretschmann und Dr. André Thieme, erschienen ist es im Sandsteinverlag Dresden. Es ist im Besucherzentrum Alte Wache für 19,80 € erhältlich.

Exkurs in eigener Sache

Für die Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen ist 1918 ein besonderes Jahr. Die Revolutionäre zwangen im November 1918 nicht nur den letzten sächsischen König zur Abdankung, sondern beschlagnahmten überdies die wettinischen Residenzen, zu denen u.a. Schloss Pillnitz und Schloss Moritzburg gehörten. In einem weiteren Sinne wurde das Jahr 1918 damit auch zur Geburtsstunde der staatlichen Schlösserverwaltung in Sachsen. Deren institutionelle Formierung sollte sich freilich in wechselvoller Verwaltungsgeschichte über mehrere Jahrzehnte hinstrecken und letztlich erst 2003 in die Gründung einer sächsischen Schlösserverwaltung, später Staatsbetrieb (seit 2013 gemeinnützige GmbH) münden, der die Bewahrung, Pflege, Vermittlung und Bewirtschaftung der wichtigsten sächsischen Schlösser, Burgen und Gärten zusammenfasst.

 

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