Gründungsdekret der Porzellanmanufaktur August des Starken feiert 300-jähriges Jubiläum

23.01.2010

Am 23. Januar 1710 rief August der Starke zur Gründung Europas erster Porzellanmanufaktur auf – unter seiner Herrschaft erfand Johann Friedrich Böttger zusammen mit einem Team aus Wissenschaftlern das europäische Hartporzellan. Künstler und Handwerker aus ganz Europa waren aufgefordert, ihre Fähigkeiten in den Dienst der neuen Manufaktur zu stellen, Augusts Aufruf wurde außer in deutscher auch in holländischer, französischer und lateinischer Sprache abgefasst.

Einen Tag später, am 24. Januar 2010, ließ der Sachsenfürst Taten sprechen und verkündete die Gründung der Porzellanmanufaktur zu Meissen in einem offiziellen Gründungsdekret, in welchem es heißt: „[...] Nachdem Wir aus Landes-väterlicher Sorgfalt schlüßig worden die von Unserm Lieben Getreüen Johann Friedrich Böttger neü erfundene Manufacturen zum besten und Aufnahme unserer Lande ohne fernern Anstand étabillren und ins Werck setzen zulaßen[...]“. Besonders würdigt er Johann Friedrich Böttgers Verdienst an der Erfindung des europäischen Porzellans – eine Erfolgsgeschichte, die für letzteren nicht immer ungefährlich war: Als Flüchtling vor dem Preußischen Herrscher Friedrich I., der Böttger als Goldmacher für sich verpflichten wollte, gelangte dieser auf sächsisches Territorium, wo er in die Fänge August des Starken geriet, der ihn sogleich mit der Porzellanherstellung beauftragte. Unter dem Erfolgsdruck des Kurfürsten von Sachsen und Königs von Polen – bei Versagen drohte ihm der Galgen – forschte er nach der idealen Rezeptur. 1708 konnten Böttger und seine Mitstreiter Ehrenfried Walther von Tschirnhaus sowie Gottfried Papst von Ohain ihrem Herrn erstmals kleine Porzellanstücke präsentieren. Als stolze Bastion für die betriebliche Herstellung des „Weissen Goldes“ wurde die Albrechtsburg, erster Schlossbau Deutschlands, ausgewählt und eingerichtet. Hier wusste August der Starke das geheime Rezept, welches hinter den Kulissen der territorialen Politik sehr begehrt war, sicher.   

Obwohl der Kampf und die Herrschaft um das „Weisse Gold“ längst entschieden ist, befindet sich das originale Gründungsdekret Augusts des Starken vom 24. Januar 1710 heute sicher hinter dickem Panzerglas im Dresdener Staatsarchiv. Insgesamt mehr als 150 Jahre lang hing es in der großen Produktionshalle der Albrechtsburg, fast bis zur Unkenntlichkeit mit feuchtem Porzellanstaub bedeckt. Nach der Restaurierung musste das wertvolle Dokument frei von Zugluft und Tageslicht gelagert werden, um auch für die Zukunft festzuhalten, wie in einem Sächsischem Schloss Wissenschaftsgeschichte geschrieben wurde.

 

 

Über den Stein der Weis(s)en:

Auf der Albrechtsburg in Meissen entsteht 1710 die  erste   europäische Porzellan-Manufaktur: Auf der Suche nach dem Stein der Weisen erfand der Alchemist Johann Friedrich Böttger gemeinsam mit einem Wissenschaftsteam das europäische Pendant des chinesischen Porzellans. Jedoch steht Böttgers Suche für weitaus mehr, nämlich für eine Suche nach der eigentlichen Wahrheit und dem Bestreben der Wissenschaft, die Funktionszusammenhänge der Welt zu verstehen. So wurden während der Suche – neben der Erfindung des Porzellans – weitere wesentliche naturwissenschaftliche Entdeckungen gemacht, die eine bahnbrechende Bedeutung in der bis dahin geltenden Weltordnung hatten. Zum 300. Jubiläum im Jahr 2010 würdigt das Schlösserland Sachsen den historischen Ort mit einer großen Sonderausstellung.

 

 www.der-stein-der-weissen.de

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