Schloss & Park Pillnitz: „Seiner Zeit voraus! Prinz Max von Sachsen - Priester und Visionär.“

12.04.2019

Neue Sonderausstellung im Schlossmuseum Pillnitz vom 13. April - 3. November 2019 | Die Schau zum hierzulande weithin unbekannten Wettiner zeigt die Geschichte eines Menschen, der sich zeitlebens und seiner Zeit voraus mit Gedanken der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes sowie des friedlichen Miteinanders auf religiöser und gesellschaftlicher Ebene beschäftigte.

Nachdem 2018 der Rücktritt des letzten sächsischen Königs Friedrich August III. und die Gründung des Freistaates Sachsen im Schloss Pillnitz nachzuerleben waren, folgt die diesjährige Exposition des Schlossmuseums den Spuren seines weithin unbekannten Bruders – Prinz Max von Sachsen. Anders als die meisten seiner Zeitgenossen und „seiner Zeit voraus“ widmete Prinz Max sein Leben und Schaffen besonders den Fragen der Nachhaltigkeit und des Tierschutzes, der kritischen Auseinandersetzung mit der Kriegspolitik und der Solidarität zu gesellschaftlich Schwächeren. Als Kirchenmann gilt er als Vorreiter der Ökumene-Bewegung der römisch-katholischen Kirche gegenüber der Orthodoxie. Fast seinen gesamten persönlichen Besitz verschenkte er an Bedürftige, selbst trug er nur die notwenigsten und einfachsten Kleidungsstücke. Seiner Familie blieb er stets verbunden und verwahrte in seinen spartanisch eingerichteten Privaträumen kleine persönliche Erinnerungen an sie. Als Prinz Max 1951 verstarb, glaubten nicht wenige seiner Mitmenschen, mit einem Heiligen zusammengelebt zu haben.

Die Ausstellung zeigt persönliche Gegenstände aus dem Besitz des Prinzen, die überwiegend aus dem im Universitätsarchiv der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt verwahrten Nachlass stammen. Dazu gehören beispielsweise sein Feldaltar aus dem Ersten Weltkrieg, das von Königin Carola von Sachsen extra für ihn bestickte Messgewand für seine erste Messe in der Kapelle des Josephinenstiftes in Dresden sowie die wertvolle Monstranz einer kleinen Dorfkirche bei Eichstätt. Diese ließ Prinz Max anfertigen und mit Edelsteinen aus seinem Erbe verzieren und schenkte sie der Kirche. Ergänzt wird die Exposition durch zahlreiche Fotografien, handgeschrieben Notizen und Filmsequenzen.

Die Sonderausstellung entstand in Kooperation mit der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und der Theologischen Fakultät Fulda.

Das Schlossmuseum im Neuen Palais von Schloss & Park Pillnitz hat vom 13. April bis 3. November 2019 dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Das Tagesticket (inklusive Parkeintritt) kostet 8,00 €, ermäßigt 6,00 €. Kinder bis 16 Jahre und alle Besucher, die den Namen Max, Maximilian oder Maxi tragen, erhalten freien Eintritt.

Die Ausstellungsmacher

Die Sonderausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und der Theologischen Fakultät Fulda. Kuratiert wurde die Sonderausstellung von Historiker Mike Huth und den Museologinnen Iris Kretschmann und Dr. Birgit Finger. Studierende und Professoren der beiden kooperierenden Hochschulen sowie des Institutes für Katholische Theologie der TU Dresden wirkten an der Erarbeitung und der Umsetzung des Konzepts sowie am Begleitband mit. Experten und Leihgeber aus Deutschland, Belgien und der Schweiz haben zum Gelingen des Projekts beigetragen. Die Ausstellungsgestaltung unterlag Antje Werner und Anja Maria Eisen.

Hintergründe & Biografisches

Prinz Max von Sachsen Herzog zu Sachsen wurde in Dresden am 17. November 1870 geboren und verstarb in Fribourg/Schweiz am 12. Januar 1951. Durch sein Wirken vorrangig in Eichstätt, Fribourg und im – besonders osteuropäischen – Ausland ist Prinz Max in seiner sächsischen Heimat heute wenig bekannt.

Der Bruder des letzten sächsischen Königs Friedrich August III. erlangte zu Lebzeiten insbesondere wegen seines Engagements für den Frieden, den Schutz der Tiere und den Vegetarismus eine hohe internationale Ausstrahlung. Politisch sah er es als seine Aufgabe, „gegen das Böse als solches zu protestieren, auf welcher Seite es sich auch immer zeigt“. Als Theologe mit dem Schwerpunkt Christlicher Osten gehört er zu den Pionieren der Ökumene-Bewegung der römisch-katholischen Kirche gegenüber der Orthodoxie. Seine Maxime eines gleichberechtigten Miteinanders dieser Kirchen, heute eine Selbstverständlichkeit, war zu seiner Zeit revolutionär und führte zu einem Konflikt mit dem damaligen Papst. Sein Priestertum verstand er als Dienst an Gott und an den Menschen. Er strebte keine hohen kirchlichen Ämter an, sondern war vor allem für die Armen da und verschenkte fast seinen gesamten persönlichen Besitz an Bedürftige. Viele seiner Mitbürger in Fribourg/Schweiz nahmen das mit Staunen wahr und verehrten ihn, der unter einer Königskrone geboren aus einer der reichsten Familien Europas stammte, als neuen Franz von Assisi und Heiligen.

Nach einer behüteten Kindheit und Jugend mit der für einen Prinzen üblichen Erziehung und Ausbildung studierte Max von Sachsen in Freiburg im Breisgau und in Leipzig Rechtswissenschaften und wurde zum Doktor beider Rechte promoviert. Eine Berufung zum Priesteramt führte ihn an das Bischöfliche Lyzeum und Seminar nach Eichstätt in Bayern, wo er im Jahr 1896 zum Priester geweiht wurde. Nach Aufenthalten unter anderem in London und Süddeutschland erwarb er in Würzburg einen theologischen Doktortitel. 1900 wurde er Professor an der Universität Fribourg/Schweiz, wo er bis zu den Konflikten um seine Ostkirchen-Theologie blieb. Anschließend lehrte er im ukrainischen Lemberg (heute Lwiw) und in Köln. Als Feldgeistlicher zog er im Ersten Weltkrieg mit dem Sächsischen Armeekorps nach Belgien und Frankreich. Die schrecklichen Erlebnisse dort, insbesondere Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung, machten aus ihm einen engagierten Pazifisten, der er auch nach dem Ende der Monarchie in seiner zweiten Zeit als Universitätsprofessor in Fribourg/Schweiz ab 1921 blieb.

 Prinz Max war in vielen persönlichen Lebensentscheidungen seiner Zeit voraus. Lange vor der Erfindung des Nachhaltigkeitsbegriffes hatte er eine klare Vorstellung von nachhaltiger Entwicklung, von der Notwendigkeit, eine radikale Wende im Umgang mit den Tieren zu vollziehen, ebenso beim Bewusstsein für den Schutz der Umwelt. Er wollte die Menschen davon überzeugen, ein gesundes Leben zu führen, auf übermäßigen Konsum zu verzichten und solidarisch gegenüber denjenigen zu handeln, die dieser Solidarität bedürfen. Daran hat er sein eigenes Leben mit größter Konsequenz ausgerichtet.

Seit den 1980er Jahren wurde die Erinnerung an Prinz Max von Sachsen wieder lebendig, zuerst in der Schweiz durch das biografische Werk des Religionswissenschaftlers Dr. Iso Baumer aus Fribourg, dann auch an seinem Studienort Eichstätt und im Rahmen des Gedenkens an den 100. Jahrestag des Beginns der Ersten Weltkrieges 2014 auch in anderen europäischen Staaten.

Das Begleitbuch

Zur Ausstellung erscheint ein 232-seitiges gleichnamiges Begleitbuch mit elf Essays und über 380 Abbildungen. Herausgeber sind Iris Kretschmann und Dr. André Thieme, erschienen ist es im Sandsteinverlag Dresden. Es ist im Besucherzentrum Alte Wache für 19,80 € erhältlich.

Aus dem Inhalt des Buches:

Gisela Petrasch Prinz Max von Sachsen – Lebenslauf in Daten

Birgit Finger/Stefanie Sedlmaier Ein glücklicher Familienmensch – Prinz Max und die Wettiner

Bernd Dennemarck/ Gabriel Eduardo Mejia Cepeda Prinz Max – ein Priester zwischen Seelsorge und Caritas

Thomas Kremer/Miriam Raschka/Ruslan Stetsyk Prinz Max von Sachsen und die Ostkirchen

Iris Kretschmann/Götz Krüger Die Greuel von Sorinnes und Dinant – Wendepunkt im Leben des Prinzen

Max Frank E. W. Zschaler/Benedikt Köger/Marcel Krawietz/Niyazi Özcelik Prinz Max von Sachsen als politischer Mensch

Andrea Pojer/Cornelia Aßmann/Victor Lossau Vegetarismus, Tierschutz, Lebensreform und Abstinenz

Bernd Dennemarck/Maximilian Kaiser Prinz Max als Lehrer, Professor und Wissenschaftler

André Thieme Auf den Spuren von Prinz Max?

Georg von Sachsen: Vom Kronprinzen zum Jesuiten

Frank E. W. Zschaler/Johannes Leiber Der Tod des Prinzen Max von Sachsen und die Erinnerung an ihn

Mike Huth Der Nachlass des Prinzen Max

Passende Fotos

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